Die Grundfrage: Wer trifft die Entscheidung?
Bevor du dich für eine der beiden Optionen entscheidest, frag dich zuerst: Wie viel Kontrolle will ich? Und: Wie viel Zeit investiere ich?
Ein Homepage-Baukasten ist wie ein Mietwagen: Du fährst, aber du darfst nicht unter die Haube gucken. Eigenes Webhosting ist wie ein eigenes Auto: Du bist für alles verantwortlich, aber du kannst alles anpassen, reparieren und tun, was du willst.
Was ist ein Homepage-Baukasten?
Ein Homepage-Baukasten (Website Builder) ist eine Plattform, die dir vorgefertigte Bausteine, Templates und ein Drag-and-Drop-Interface bietet. Bekannte Beispiele:
- Wix — der bekannteste Baukasten, extrem einfach zu bedienen
- Squarespace — eleganter Design-Fokus, etwas professioneller
- Jimdo — deutscher Anbieter, gut für kleine Businesses
- Webflow — für Nutzer, die mehr Design-Kontrolle wollen
- WordPress.com — nicht zu verwechseln mit self-hosted WordPress
Du erstellst ein Konto, wählst ein Template, ziehst Blöcke zusammen — fertig. Kein FTP, keine Datenbank, kein Code. Die Plattform kümmert sich um alles.
Was ist eigenes Webhosting?
Bei eigenem Webhosting mietest du Speicherplatz auf einem Server und verwaltest deine Website selbst. Typische Setups:
- WordPress auf eigenem Hosting — das gängigste Setup weltweit
- Static Site Generator — Hugo, Jekyll, Gatsby, Next.js (generiert HTML-Dateien)
- Custom Code — eigene HTML/CSS/JS-Dateien, kein CMS
Du brauchst eine Domain, einen Hosting-Plan und idealerweise etwas technisches Verständnis. Dafür hast du volle Kontrolle über jede Datei, jedes Plugin, jede Datenbank.
Der direkte Vergleich
Hier die wichtigsten Unterschiede, nüchtern betrachtet:
| Kriterium | Baukasten | Eigenes Hosting |
|---|---|---|
| Kosten | 8–50 €/Monat (nimmt mit Wachstum zu) | 3–20 €/Monat (relativ stabil) |
| Einrichtung | 1–2 Stunden, keine Tech-Kenntnisse | 1–4 Stunden, minimale Grundkenntnisse nötig |
| SEO-Kontrolle | Begrenzt, Plattform-abhängig | Volle Kontrolle über alles |
| Eigene Domain | Oft nur als Subdomain (z.B. deinname.wixsite.com) | Ja, eigene Domain ohne Einschränkungen |
| Wartung | Keine (Plattform kümmert sich) | Updates, Backups, Sicherheit — du bist verantwortlich |
| Flexibilität | Was das Template bietet, ist machbar | Alles ist möglich — Code, Plugins, Integrationen |
| Umschalten/Wegzug | Schwer — Daten sind an das System gebunden | Leicht — alle Dateien sind deine, exportierbar |
| Performance | Durchschnittlich (geteilte Ressourcen) | Kann sehr schnell sein (SSD, Cache-Optimierung) |
Kosten: Wo sparst du wirklich?
Auf den ersten Blick sieht der Baukasten günstiger aus: "0 € im ersten Jahr" oder "ab 5 € im Monat". Aber:
- Persönliche Domain kostet extra: Viele Baukästen erlauben nur ihre Subdomain im kostenlosen Plan. Deine eigene Domain braucht ein Upgrade.
- Preise steigen bei Wachstum: Sobald du mehr Seiten, Speicher oder Besucher hast, springt der monatliche Preis nach oben. Wix Business-Pläne starten bei 23 €/Monat.
- Kein Wechsel ohne Neuanfang: Wenn du migrieren willst, zahlen dir die meisten Baukästen die Daten nicht freiwillig heraus.
Ein eigener Hosting-Plan mit WordPress kostet dich 4–12 €/Monat und bleibt stabil. Die Domain (12–15 €/Jahr) kommt hinzu. Insgesamt: ca. 60–160 €/Jahr. Baukasten im vergleichbaren Umfang: 200–600 €/Jahr.
SEO: Ein kritischer Unterschied
Hier wird es für Baukasten-Nutzer unangenehm. Mit eigenem Hosting und WordPress hast du Zugriff auf:
- Jedes SEO-Plugin (Yoast, Rank Math, All in One SEO)
- Vollständige .htaccess-Kontrolle für Performance
- Strukturierte URLs nach Belieben
- Schema-Markup, Canonical-Tags, Hreflang — alles vollständig
- Core Web Vitals-Optimierung mit eigenem Caching
Mit einem Baukasten bist du auf das angewiesen, was die Plattform erlaubt. Das ist bei Wix und Squarespace gar nicht so schlecht, aber es gibt Grenzen:
- Du kannst keine eigene server-seitige Optimierung machen
- Duplicate Content entsteht leichter (z.B. www vs. non-www)
- Die Domainstruktur ist teilweise vorgegeben
Achtung: Eigenes Branding
Viele Baukasten-Pläne (besonders die günstigeren) zeigen ein Wasserzeichen oder Branding der Plattform. Das sieht unprofessionell aus und schadet deiner Marke. Prüfe genau, was im Paket enthalten ist.
Wann ist ein Baukasten die richtige Wahl?
Ein Homepage-Baukasten ist sinnvoll, wenn:
- Du keine technischen Kenntnisse hast und keine investieren willst
- Du ein kleines Projekt ohne Wachstumsambitionen hast (Hobby-Blog, Familien-Website)
- Du in wenigen Stunden online sein musst und keine Zeit für Setup hast
- Du keine komplexen Integrationen brauchst (CRM, eigene APIs, etc.)
- Dein Budget extrem knapp ist (unter 50 €/Jahr)
Wann ist eigenes Hosting die richtige Wahl?
Eigenes Webhosting macht Sinn, wenn:
- Du eine eigene Domain willst, die niemandem außer dir gehört
- Du professionell auftreten willst — keine Plattform-Branding, keine Wasserzeichen
- SEO dir wichtig ist — du jede.meta-Datei, jede Weiterleitung, jedes Schema kontrollieren willst
- Du eine E-Commerce-Seite aufbaust — WooCommerce, Shopify (mit eigenem Hosting), Magento brauchen eigene Infrastruktur
- Du langfristig planst — mit eigenem Hosting bist du nicht an eine Plattform gebunden
- Du ein Geschäft hast — eine professionelle Website zahlt sich über den Baukasten-Preisen aus
Die versteckten Kosten der Baukästen
Die Plattformen sind Meister darin, ihre Einstiegspreise attraktiv aussehen zu lassen. Hier die Mechanismen, die sie nutzen:
Tiered Pricing — für jede Stufe extra zahlen
Wix hat sechs verschiedene Business-Tarife, und jeder deckt etwas anderes ab:
- Starter: kein eigener Domainanschluss, Wasserzeichen, 500 MB Speicher, 1 GB Bandbreite. Praktisch unbrauchbar für ein echtes Projekt.
- Unlimited: eigene Domain, kein Wasserzeichen — aber nur 2 CPUs und 4 GB RAM. Reicht für 5.000–10.000 Besucher/Monat.
- VIP: bessere Performance, priorisierter Support. Ab 29 €/Monat.
Squarespace macht es ähnlich: Personal (12 €/Monat) ohne E-Commerce, Business (18 €/Monat) mit 3 % Transaktionsgebühr (!), Commerce Basic (30 €/Monat) mit 0 % Transaktionsgebühr aber nur Stripe/PayPal.
Domainkosten
Viele Baukästen verkaufen dir die Domain über ihre Plattform — zu Preisen, die 2–3× über dem Markt liegen. Eine .de-Domain kostet bei Ionos oder Namecheap ca. 8–12 €/Jahr. Über Wix bezahlst du 18–25 €/Jahr, weil sie eine "Domain-Proxy-Gebühr" einrechnen.
App- und Erweiterungskosten
Der Basis-Baukasten deckt nur das Allernötigste. Für alles Weitere brauchst du Add-ons:
- Fortschrittliche Analytics: 5–15 €/Monat
- E-Mail-Marketing-Integration: 10–25 €/Monat (Mailchimp, Klaviyo)
- Buchungssystem (für Dienstleister): 10–20 €/Monat
- Erweiterte SEO-Tools: 5–15 €/Monat
- Custom-Code-Einbindungen: bei manchen Plattformen verboten, bei anderen 5–10 €/Monat
Am Ende zahlst du 40–80 €/Monat für etwas, das du mit eigenem Hosting und ein paar Plugins für 8 €/Monat bekommst.
Rechenbeispiel: 3 Jahre Baukasten vs. eigenes Hosting
Baukasten (Wix Unlimited + Domain + Apps): ~25 €/Monat × 36 Monate = 900 € über 3 Jahre
Eigenes Hosting (WordPress bei 8 €/Monat + Domain 10 €/Jahr): 8×36 + 30 = 318 € über 3 Jahre. Das ist ein Unterschied von 580 € — für das gleiche Ergebnis.
Plattform-Risiken: Was passiert bei Ausfällen und Sperrungen?
Bei Baukästen bist du von der Verfügbarkeit und den Entscheidungen eines Dritten abhängig. Das klingt theoretisch — bis es passiert:
Plattform-Ausfälle betreffen ALLE Kunden gleichzeitig
Im Mai 2022 hatte Wix einen 12-stündigen Ausfall. 10 Millionen Websites waren nicht erreichbar. Mit eigenem Hosting hättest du davon null betroffen sein können — dein Server läuft weiter, auch wenn ein anderes Rechenzentrum Probleme hat.
TOS-Verstöße — deine Seite kann gesperrt werden
Baukästen haben detaillierte Nutzungsbedingungen. Was auf den ersten Blick harmlos aussieht (z.B. "kommerzielle Nutzung erlaubt"), hat oft Einschränkungen:
- Wix verbietet bestimmte Inhalte (adult, gambling, politische Agitation) — selbst bei bezahlten Plänen
- Squarespace erlaubt nur einen Online-Store pro Konto im günstigsten Plan
- Jimdo limitiert die Anzahl der Seiten je nach Tarif
Wenn du gegen die TOS verstößt (auch versehentlich), kann deine Seite ohne Vorwarnung gesperrt werden. Du hast dann keinen Zugang mehr, kein Backup, nichts. Eigenes Hosting: Du kündigst den Vertrag, lädst alles herunter, ziehst um.
Preiserhöhungen ohne Kündigungsoption
Viele Baukästen erhöhen die Preise stillschweigend. Du loggst dich ein, und plötzlich steht da "Ihr Plan wurde automatisch verlängert — Preis jetzt 32 €/Monat". Bei den meisten Anbietern gibt es keine Preisansage-Pflicht.
Bei eigenem Hosting vergleichen Sie jedes Jahr — ein Klick, und du bist beim nächsten Anbieter. Keine Lock-in, keine Überraschungen.
E-Commerce-Falle: Warum Baukästen für Shops ungeeignet sind
Wenn du vorhast, irgendwann Produkte oder Dienstleistungen online zu verkaufen, ist ein Baukasten das falsche Fundament. Hier warum:
Transaktionsgebühren
Squarespace Business berechnet 3 % Transaktionsgebühr auf jeden Verkauf. Das ist nicht die Kreditkarten-Gebühr (die zusätzlich anfällt), sondern eine Extra-Gebühr von Squarespace. Bei einem Umsatz von 5.000 €/Monat sind das 150 € Gebühren pro Monat, 1.800 €/Jahr — nur für die Plattform.
Keine tiefen Integrationen
Du willst deinen Shop mit einem ERP verbinden? Lagerbestände automatisch aktualisieren? Automatisierte Rechnungen erstellen? Baukästen bieten Integrationen, aber nur mit den Partnern, mit denen sie Verträge haben. Eigenes Hosting: du baust eine API-Integration oder nutzt Zapier/Make mit vollem Zugriff.
Wachstums-Plateau
Die meisten Baukästen skalieren nicht gut. Wenn du 50.000 Besucher/Monat hast, brauchst du den teuersten Plan. Bei eigenem Hosting upgradest du von Shared Hosting zu VPS zu Dedicated Server — gestaffelt, genau passend zum Bedarf.
Checkout-Erfahrung
Bei Wix und Squarespace bezahlst du den Kunden auf einer Seite der Plattform. Das bedeutet: Du hast keine eigene Payment-Domain, die Branding-Trennung ist sichtbar, und die Conversion-Rate leidet. Mit WooCommerce (eigenes Hosting) läuft der Checkout auf deiner eigenen Domain — der Kunde bemerkt nicht einmal, dass du WooCommerce nutzt.
Entscheidungshilfe: Baukasten oder Hosting? (Schritt für Schritt)
Hier eine konkrete Checkliste. Geh sie durch — bei drei oder mehr "Ja" ist eigenes Hosting die richtige Wahl:
- Brauchst du eine eigene Domain? (nicht deinedomain.wixsite.com, sondern deinedomain.de) → eigenes Hosting
- Planst du, in 2–3 Jahren mehr als 1.000 Besucher/Monat zu haben? → eigenes Hosting
- Willst du E-Commerce (Produkte verkaufen)? → eigenes Hosting
- Ist professionelles SEO wichtig für dich? → eigenes Hosting
- Willst du selber Code einbauen (Analytics, Pixel, etc.)? → eigenes Hosting
- Planst du, die Seite länger als 2 Jahre zu betreiben? → eigenes Hosting
- Hast du ein Business (auch Kleinunternehmen)? → eigenes Hosting
- Möchtest du nicht von einer Plattform abhängig sein? → eigenes Hosting
Der einfachste Weg: Starte klein, wechsle bei Bedarf
Wenn du komplett unsicher bist, starte mit einem einfachen WordPress-Setup (nicht einem Baukasten). WordPress.com (der Baukasten) ≠ WordPress.org (das CMS für eigenes Hosting). WordPress.org auf einem 5-GB-Hosting-Paket kostet 5 €/Monat und gibt dir alle Optionen. Du kannst immer upgraden — aber du musst nicht.
Die Umstiegs-Kosten: Was es wirklich bedeutet, zu wechseln
Wenn du jetzt bei einem Baukasten bist und überlegst zu migrieren, hier die ehrliche Einschätzung:
Was du mitnehmen kannst
- Texte: Bei den meisten Baukästen als HTML oder via Export-Tool exportierbar
- Metadaten: Titel und Beschreibungen meist exportierbar (CSV)
- Blog-Artikel: Export möglich, aber das Layout muss auf dem neuen System neu gebaut werden
Was du NICHT mitnehmen kannst
- Design: Das komplette Design ist an das Baukasten-System gebunden. Du musst es neu bauen.
- Bilder: Manchmal nur als komprimierte Version, nicht in Originalauflösung
- URL-Struktur: Nicht übertragbar. Alle alten URLs brechen — du brauchst 301-Weiterleitungen.
- SEO-Rankings: Kurzfristig verlieren fast alle migrierten SeitenRanking — 3–6 Monate Erholungszeit sind normal
Eine Migration von Wix zu WordPress dauert 2–4 Wochen und erfordert technisches Wissen oder eine Agentur (500–2.000 €). Vermeide den Umstieg, indem du von Anfang an die richtige Entscheidung triffst.
Der Migrations-Test: Was passiert, wenn du wechseln willst?
Das ist der wichtigste, aber am meisten unterschätzte Unterschied. Stell dir vor: Wix erhöht die Preise um 40 %. Oder Squarespace hat einen Ausfall. Oder Jimdo wird eingestellt.
Mit eigenem Hosting: Du lädst alle Dateien per FTP herunter, exportierst die Datenbank, ziehst um. Fertig. Deine Domain, dein Hosting, deine Regeln.
Mit einem Baukasten: Du musst die Plattform bitten, deine Daten zu exportieren. Oft sind das nur Teile (Texte ja, Bilder teilweise, Design nein). Du baust die Seite quasi komplett neu auf.
Unser Urteil
Für jede Business-Website, jedes Projekt mit Wachstumsambitionen und jede Seite, bei der dir professionelle Präsenz und SEO wichtig sind: Nimm eigenes Webhosting. Die Einstiegshürde ist geringer als du denkst — und die langfristigen Vorteile (Kontrolle, Kosten, SEO, keine Lock-in) sind enorm.
Nur für Hobby-Projekte und "mal schnell online"-Bedürfnisse lohnt sich ein Baukasten. Und auch dann: Nimm die bezahlte Version, nicht den Free-Plan.
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